Innovatives Praxisprojekt im Fokus

 

 

Bild von aufgeschlagenem Buch

@RUB, Marquard

Seit dem Sommersemester 2021 sind neue Projekte im Universitätsprogramm „Innovative Praxisprojekte“ der RUB gestartet. Eines davon ist das Projekt „Technikzukünfte in der deutschsprachigen Science-Fiction-Literatur. Literaturwissenschaft als soziale Praxis“. Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, die gesellschaftlichen Herausforderungen zu untersuchen, die mit dem rasanten technologischen Fortschritt einhergehen. Inzwischen hat das Projekt einen festen Platz im Vorlesungsverzeichnis gefunden.

Prof. Dr. Ralph Köhnen und Dr. Markus Tillmann vom Germanistischen Institut der RUB haben das Programm ins Leben gerufen. Markus Tillmann erklärt, was das Programm besonders macht und warum Transfer so wichtig ist:

Was hat Ihr Interesse an den Innovativen Praxisprojekten geweckt?
Besonders gereizt hat mich an der Konzeption und Durchführung eines Innovativen Praxisprojekts die Möglichkeit, „Praxisakteure“, in diesem konkreten Fall unter anderem Autorinnen und Autoren sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus anderen Wissensdisziplinen, in das Projekt einzubinden, um über den rein literaturwissenschaftlichen Aspekt hinaus eine produktive und interdisziplinäre Diskussion über die gesellschaftliche Relevanz von Science-Literatur zu initiieren. Besonders die Science-Fiction-Literatur beschreibt sehr genau, welche Auswirkungen der rasante technologische Fortschritt auf gesellschaftliche Entwicklungen haben könnte, indem sie eine Vielfalt an relevanten Gegenwartsthemen, wie beispielsweise moderne Biotechnologien, Mensch-Maschine-Interaktion, Biohacking und Cyborgisierung des Menschen, Virtualität, Big Data, Künstliche Intelligenz, Mind Uploading, Robotik in den Fokus rückt. An diese literarischen Fiktionen können somit auch andere Fachdisziplinen – wie zum Beispiel Zukunftsforschung und Soziologie – partizipieren. Durch die starke Praxisorientierung des Projekts lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zudem, über den Tellerrand ihres Studienfaches hinauszublicken, innovative Ideen zu gestalten, Netzwerke zu generieren und ihr Fachwissen „nach außen zu tragen“.  Gerade diese Aspekte werden oftmals, auch in der sogenannten Angewandten Germanistik beziehungsweise im Bereich der Berufsorientierung, vernachlässigt. Dergestalt bietet die Gestaltung eines Innovativen Praxisprojekts für mich die Chance, diese „Lücke“ im Lehrprogramm zu füllen, indem unter anderem im Rahmen des Praxisprojekts über das reine Fachwissen hinaus Kompetenzen gefördert werden können, die für den weiteren beruflichen Werdegang von großer Bedeutung sind.

Was bedeutet Transfer für Sie konkret?
Transfer bedeutet für mich einerseits, dass im Konzept eines Innovativen Praxisprojekts eine leichte Übertragbarkeit in andere Fachbereiche schon angelegt sein sollte. Wie schon angedeutet, lassen sich viele Ergebnisse des Praxisprojekts ohne Probleme zum Beispiel in die Soziologie und Zukunftsforschung hineintragen, um dort ebenfalls innovative Lehrprojekte zu gestalten. Andererseits sollte es nicht bei dieser reinen Übertragbarkeit in andere Wissensdisziplinen bleiben, vielmehr sollte durch ein Innovatives Praxisprojekt sowohl allgemein die Urteilskraft von Studierenden hinsichtlich komplexer Gegenwartsphänomene gestärkt als auch am Kompetenzaufbau kultureller Diagnostik gearbeitet werden. Und zugleich sollten die Studentinnen und Studenten die Kompetenzen, die sie im Rahmen eines Praxisprojekts erworben haben, auch dazu nutzen, über Fächergrenzen hinweg, innovative Gründungsideen zu entwickeln. Wie dies gelingen kann, haben im Rahmen des Praxisprojekts auch die Vorträge von Dr. Klaudia Seibel und Dr. Karlheinz Steinmüller gezeigt, die beide im Bereich der Zukunftswissenschaft arbeiten und dabei ganz selbstverständlich das Ideen-Potential der Science-Fiction-Literatur erkunden und nutzen. Ihre Erkenntnisse beziehungsweise Ergebnisse stellen sie dann, wie sie im Vortrag und Gespräch zu berichten wussten, staatlichen Einrichtungen und Wirtschaftsunternehmen zur Verfügung. Auch die Einblicke in die „Schreibwerkstatt“ von Autorinnen und Autoren und die Einblicke in die verlegerische Arbeit, haben viele Möglichkeiten aufgezeigt, wie literaturwissenschaftliches Wissen sowohl in andere Wissens- als auch Arbeitsbereiche übertragen werden kann.

Könnten Sie sich nach der Erfahrung mit den Innovativen Praxisprojekten auch vorstellen zu gründen?
Auch mich hat das Innovative Praxisprojekt dazu gebracht, neu darüber nachzudenken, die eigenen literaturwissenschaftlichen Kompetenzen „nach außen zu tragen“ und zum Beispiel im Bereich der Zukunftsforschung einzubringen. Gerade dort gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, Projekte zu initiieren, die dann auch für technologische Entwicklungen oder für die Wirtschaft relevant sein könnten. Zugleich haben sich durch die Netzwerkarbeit im Rahmen des Projekts Möglichkeiten ergeben, die Beschäftigung mit „Technikzukünften in der Science-Fiction-Literatur“ auch außeruniversitär weiter zu verfolgen, zum Beispiel durch die Gründung eines Vereins oder die Mitgestaltung einer Veranstaltungsreihe, die sich dieser Thematik offensiv annimmt. Dennoch ist es schade, dass das Praxisprojekt Ende März 2022 ausläuft, da gerade die Thematik im Rahmen der universitären Lehre noch so viel Potential besitzt. Gerade die Science-Fiction-Literatur spiegelt beispielsweise Themen wie Klimawandel und Klimakatastrophen sowie pandemische Vorkommnisse, indem sie aufzeigt, welche mögliche Folgen unser gegenwärtiges Handeln haben könnte. Um diese aktuellen und relevanten Thematiken verstärkt in den Fokus der Literaturwissenschaft zu rücken, ließe sich das durch das Praxisprojekt geschaffene „Netzwerk“ ebenfalls gewinnbringend nutzen.   

Wem würden Sie die Innovativen Praxisprojekte empfehlen?
Ich kann die Innovativen Praxisprojekten nur allen empfehlen, die vorhaben, ihre universitäre Lehre zu öffnen für sowohl fächerübergreifende als auch außeruniversitäre Impulse, um dergestalt bei den Studentinnen und Studenten Kompetenzen auszubilden, die weit über die Fachgrenzen hinausgehen.  Dabei wird einerseits zum Beispiel das eigentliche Fachwissen noch einmal gestärkt, andererseits treten neue Eindrücke und Ideen hinzu, wie das Fachwissen auch in anderen, außeruniversitären Bereichen gewinnbringend eingebracht werden kann. Daraus können dann, im Idealfall, auch vielversprechende und innovative Gründungsideen entstehen.

 

Zum Programm
Die Innovativen Praxisprojekte sollen in den Fakultäten und bei den Studierende für das Thema Entrepreneurship und den Transfer in der Lehre sensibilisieren. Die RUB fördert in diesem Universitätsprogramm Ideen, bei denen der Transfer im Mittelpunkt steht. Bei diesem Förderprogramm sollen Studierende ihre wissenschaftlichen Kompetenzen auf ein konkretes Problem anwenden, mit Partnern zusammenarbeiten und innovative Technikformate anwenden. Die nächste Förderrunde beginnt 2022.

 

Mehr Informationen zu den Innovativen Praxisprojekten

Zur Webseite

Tillmann, Markus. "Gestaltbare Zukünfte" In: Fusznote. Ausgabe 15