Selbstmanagement mit Wirkung

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Stellt euch als Gründungsteam doch einmal kurz vor. Wer steckt hinter dem Start-up?
Das Gründungsteam besteht aus Professor Dr. Stefan Winter, dem Inhaber des Lehrstuhls für Human Resource Management an der Ruhr-Universität Bochum, und mir, Dr. Robin Matz. In unserem Team übernimmt Stefan die Rolle des wissenschaftlichen Leiters, während ich die Firma operativ als Geschäftsführer leite. Stefan und ich arbeiten seit knapp 10 Jahren zusammen. Mit dem Thema „Selbstmanagement“ beschäftigen wir uns zusammen auch schon seit 2020.
Beschreibt eure Gründungsidee:
Die Welt um uns herum wird immer hektischer und komplizierter. Die Herausforderungen steigen, unsere Gehirne wachsen aber nicht mit. Wir wollen mit dazu beitragen, dass Menschen besser mit den Herausforderungen fertig werden. Wir zeigen Wege des Selbstmanagements auf, um einerseits produktiver, aber andererseits auch zufriedener, gesünder und nachhaltig glücklicher zu sein. Diese Mission verfolgen wir mit unseren Workshops, Online-Kursen und Coachings. Wir brechen das große Thema Selbstmanagement auf handhabbare Teilbereiche herunter. Dazu gehören z.B. Gewohnheitsbildung, Unterbrechungsmanagement, Neinsagen, also ganz klassische Selbstmanagementthemen. Ein weiterer Block befasst sich mit Themen rund um Stress und Gesundheit. Und schließlich bieten wir Kurse rund um das Thema „Gutes Entscheiden“ an. Wir verstehen uns hierbei als Übersetzer von wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen in alltagstaugliche Verhaltensstrategien.
Wie kamt ihr auf den Gedanken, ein Start-up zu gründen?
Wir haben in der universitären Lehre gesehen, dass viele junge Leute nicht an den intellektuellen Hürden des Studiums scheitern. Stattdessen scheitern sie an den zunehmenden Herausforderungen des Alltags. Für diesen Problembereich wollten wir ein Lehrangebot schaffen. Das ist bei den Studierenden sehr gut angekommen. Konkret haben wir die bisherigen Teilnahmerekorde der Fakultät mit unserem Selbstmanagement-Modul gebrochen. Zudem war auch das qualitative Feedback der Studierenden überragend. Teilweise erhielten wir noch Semester später Nachrichten voller Enthusiasmus und teilweise auch Dankbarkeit. Durch diese Erfolge kam schnell die Vermutung auf, dass auch außerhalb der Uni großes Interesse an Themen des Selbstmanagements besteht. Von der Vermutung zur Gründung war es dann nur noch ein kleiner Schritt. Und inzwischen kann man sagen: Es war ein guter Schritt. Das Interesse ist tatsächlich groß, auch außerhalb der Uni.
Wie ließ sich die Gründung mit dem Studium/dem Beruf vereinbaren?
Nun, das ist in der Tat eine Frage, über die man hinterher anders denkt als vorher. Thematisch waren wir natürlich gut vorgearbeitet, anders wär das überhaupt nicht gegangen. Aber wenn du glaubst, dass du mit den Stunden auskommst, die du am Anfang geplant hast, bist du naiv. Da platzt ganz plötzlich eine Masse von Themen über dich herein, die du definitiv nicht auf der Agenda hattest. Wenn du ein Unternehmen gründest, hast du doch keine Ahnung davon, was du alles in deinen Weiterbildungskatalog reinschreiben musst, damit du rechtlich sauber bist. Du hast keine Ahnung davon, wie viele Anpassungen du im Detail an deiner Schulungsplattform machen musst, damit das alles für deine eigenen Online-Kurse passt. Kurz gesagt: Es war wirklich viel zu tun. Gelitten hat aber nicht der Job, sondern Freizeit und Wochenenden. Aber das ist vermutlich exakt dieselbe Story, die dir jede*r ernsthafte Gründer*in erzählt.
Die WORLDFACTORY bedeutet für uns…
Die WORLDFACTORY war für mich eigentlich schon immer präsent – erst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, da ich ein Modul zur Existenzgründung betreut und dort eng mit dem Team der WORLDFACTORY zusammengearbeitet habe. Auch während unseres eigenen Gründungsprozesses gab es immer wieder Anknüpfungspunkte, bei denen uns die WORLDFACTORY mit ihrer Beratung super unterstützt hat.
Was sind die größten Herausforderungen, auf die man stoßen kann und wie geht man damit um?
Die größte Herausforderung für uns war bisher tatsächlich, dass es manchmal nicht so viel bringt, ein fertiges und optimiertes Produkt zu haben, wenn man noch keine Strategie hat, wie man dieses Produkt auch vertreiben kann. Reichweite, Marketing und Vertrieb sind daher essenzielle Aspekte jeder Unternehmensgründung, denen man nicht genug Zeit schenken kann. Das mussten wir in den ersten Monaten auch selbst erst lernen. Dabei haben wir auch Dinge probiert, die nicht funktioniert haben. Das wird auch weiter passieren. Aber wir haben jetzt ein Fundament gefunden, das uns trägt. Vor hier aus können wir jetzt weiter testen und uns entwickeln.
Was ist das Besondere an eurem Start-up?
Das Besondere an unserem Start-up ist der Transfer von Themen aus Universität und Forschung in die Praxis. Wir haben am Beispiel unserer Studierenden gemerkt, dass die Themen nicht exklusiv für den akademischen Bereich relevant sind, sondern tatsächlich darüber hinaus für die Gesellschaft wichtig zu sein scheinen. Das zeigt mir wieder einmal mehr, dass das, was an Universitäten gemacht wird, einen echten Impact für die ganze Gesellschaft haben kann.
Wo steht ihr aktuell und was kommt als nächstes?
Wir haben in der letzten Zeit unsere Kapazitäten für Workshops und Beratung weiter ausgebaut und sind jetzt dabei, unser Netzwerk zu erweitern und weitere Kooperationspartner*innen zu akquirieren. In der Zukunft ist es geplant, dass wir eine eigene Online-Lernplattform etablieren, über die unsere Inhalte dann auch außerhalb unserer Live-Workshops vor Ort abgerufen werden können. Das soll ein erster Schritt in die Richtung sein, unsere Inhalte auch für größere Teilnehmerkreise verfügbar zu machen.
Euer Tipp an alle Gründungsinteressierten:
Wenn ihr Ideen im Kopf habt, dann sprecht auf jeden Fall einmal mit Leuten aus der Start-up-Szene darüber. Sie können euch wertvolle Tipps geben und sie bringen oft ein gutes Netzwerk mit. Manchmal ist es gar nicht so wichtig, die Ideen so lange selbst zu zerdenken, sondern einfach mit Leuten darüber zu sprechen und anzufangen. Was auch immer dein Produkt ist: Es muss nicht perfekt sein. Eine gute Beta-Version mit einem echten Kund*innennutzen und einem akzeptablen Preis reicht für den Einstieg völlig aus. Das, was du mit deiner Beta-Version im Markt lernen kannst, kannst du dir vorher nicht ausdenken. Also unser Rat: Machen! Dann aber nicht festbeißen, sondern lernen und anpassen!
